Gestalttherapie – Mein Weg zu echtem Kontakt
Was ist Gestalttherapie? Gestalttherapie Leipzig - Andreas Wolf

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Teil 1 einer Reihe über die Grundlagen meiner Arbeit – Gestalttherapie als Nächstes folgt ein Beitrag zu IFS, danach einer zu NARM.

Meine erste Berührung mit Gestalttherapie war im Rahmen meiner „Heldenreise“ – ein Format, das der amerikanische Gestalttherapeut Paul Rebillot entwickelt hat, in dem Theater, Ritual und Gestalttherapie zusammenkommen. Ich kannte den Begriff Gestalttherapie vorher kaum. Was mich dabei so tief berührt hat, war nicht die Methode. Es war die Haltung, aus der heraus diese Woche begleitet wurde.

Diese Haltung vermittelte: Du bist okay. Genau so, wie du bist, mit all deinen Macken, deinen Unzulänglichkeiten, deinen unfertigen Ecken. Nicht trotzdem. Einfach so.

Ich hatte diese Qualität von Kontakt so vorher noch nicht erlebt. Neugier auf das, was gerade in mir geschieht – nicht als Symptom, das behandelt werden muss, sondern als etwas, das erstmal einfach da sein und gesehen werden darf. Interesse daran, was ich aus dem mache, was ich erlebe. Ich habe mich zum ersten Mal gemeint gefühlt.

Im Rückblick war das die eigentliche Anziehung: nicht ein Konzept, sondern eine Möglichkeit von Kontakt, nach der ich mich unbewusst sehr gesehnt hatte.

Was Gestalttherapie im Kern ist

Gestalttherapie ist eine humanistische Psychotherapieform, die genau darauf aufbaut: auf dem, was zwischen zwei Menschen im Moment lebendig wird. Statt in erster Linie zu ergründen, warum du so geworden bist, wie du bist, richtet sie den Blick auf das Jetzt – auf das, was sich gerade in dir zeigt, während du sprichst, schweigst, wegschaust oder näherkommst. Die Vergangenheit lebt ja ohnehin in dir weiter. Sie zeigt sich, im Kontakt, in diesem Moment und genau da ist auch Veränderung möglich.

Gestalttherapie in der Praxis

Was ich in dieser Woche zum ersten Mal erlebte, nennt sich in der Fachsprache Kontakt: wie du dich einem anderen Menschen, einer Situation, einem Gefühl zuwendest – oder dich davon abwendest. Und meist zeigt sich genau darin, worum es eigentlich geht. Denn wir sind als Menschen soziale Wesen, auf Kontakt hin angelegt. Gleichzeitig mussten wir häufig lernen, uns an Verhältnisse oder Beziehungen anzupassen, in denen unsere Würde nicht gesehen oder gewahrt wurde und aus denen wir nicht einfach gehen konnten. Häufig geschah das über Wege und Strategien, uns vom Kontakt abzuschneiden – vom Kontakt mit dem eigenen Selbst und vom Kontakt mit dem Gegenüber und der Welt.

Dazu gehört ein ganzheitliches Bild vom Menschen: Körper, Gefühl, Denken und das soziale Umfeld werden nicht getrennt betrachtet, sondern als Einheit. Ein Satz, den du sagst, geht vielleicht mit einer Veränderung der Körperhaltung oder der Mimik einher, der Tonfall, der mitschwingt, die Wirkung auf dein Gegenüber – all das gehört zusammen.

Ein zentrales Werkzeug ist das Experiment: Statt vorgefertigter Übungen entstehen im Moment kleine, konkrete Anregungen – ein Satz, den du aussprichst, eine Bewegung, die du wiederholst, ein Gefühl, bei dem du einen Moment bleibst – um dir die Möglichkeit zu geben, in der Erfahrung, im Moment mehr über deinen Bezug zu dir und der Welt zu lernen und darin mehr und mehr Freiheit zu finden.

Die Beziehungsebene: Haltung im Kontakt

Zentral dafür ist eine dialogische Haltung, wie sie der Philosoph Martin Buber beschrieben hat: der Unterschied zwischen einer Ich-Du- und einer Ich-Es-Beziehung. In der Ich-Es-Beziehung begegnest du dem anderen wie einem Objekt, das eingeordnet, verstanden, behandelt werden kann. In der Ich-Du-Beziehung begegnest du ihm als ganzem Menschen – offen, ungeschützt, ohne vorgefertigtes Urteil.

Diese Haltung prägt, wie ich dir begegne. Ich sehe dich nicht als jemanden, der repariert werden muss, sondern als jemanden, mit dem ich gemeinsam schaue, wonach du dich sehnst und was dir dabei in die Quere kommt.

Und genau hier gehören für mich Vertrauen und Sicherheit dazu – aber nicht als etwas, das du schon mitbringen musst, damit die Arbeit gelingt. Auch Misstrauen, Zurückhaltung oder Angst haben bei mir ihren Platz. Sie sind kein Störfaktor, sondern oft schon der eigentliche Ausgangspunkt: Wie gehst du gerade damit um, dass du dich unsicher fühlst? Wovor meinst du, musst du dich in diesem Moment schützen? Echter Kontakt entsteht nicht dadurch, dass Bewertung oder Erwartung verschwinden, sondern dadurch, dass auch das, was sich dagegen sträubt, gesehen und ernst genommen wird. Diese Beziehungsebene ist für mich nicht nur Rahmenbedingung der Arbeit. Sie ist selbst schon Teil der Veränderung.

Wenn dich interessiert, wie sich die Überzeugung, nicht richtig zu sein, festsetzen kann, habe ich dazu in meiner Blogreihe über Scham mehr geschrieben.

Eine Einladung

Wenn du mit mir arbeitest, wirst du diese Haltung spüren: Ich habe keinen Plan für dich, keine Erwartung, wie schnell oder wie tief du gehen sollst. Du musst auch nicht wissen, wie man „richtig“ in Therapie geht – so etwas wie richtig gibt es dabei nicht. Ob du mit Neugier kommst oder mit Vorsicht, mit klaren Worten oder mit Zögern, bereit oder alles andere als bereit: all das hat Platz. Der Rest entsteht im gemeinsamen Kontakt. Wenn du spüren möchtest, wie sich das anfühlt, lade ich dich in meiner Praxis in Leipzig-Lindenau oder online zu einem ersten Gespräch ein – mehr zu meiner Arbeit findest du auf meiner Seite zur Einzeltherapie.

Das ist der erste Teil einer kleinen Reihe, in der ich die Grundlagen meiner Arbeit beleuchte. Als Nächstes geht es um IFS (Internal Family Systems).

Zum Weiterlesen

Staemmler, F. M., Engelmann, S. (Hrsg. DVG e.V.): Was ist eigentlich Gestalttherapie? Eine Einführung für Neugierige.

Rebillot, P. (1993): The Call to Adventure: Bringing the Hero’s Journey to Daily Life.

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